Wenn die Chemie stimmt: ein kleiner Guide zur Schuhpflege

Gute Pflege, langes Leben

Wie lange habe ich den denn schon? - Ein Gedanke, der Ihnen beim Blick auf ein liebgewonnenes Paar Schuhe sicherlich auch schon einmal gekommen ist. Wenn Sie sich an den Kauf wirklich nur noch ganz verschwommen erinnern können, weil dieser mindestens fünf oder sechs Saisons zurückliegen muss, scheinen Sie entweder ein sehr gut verarbeitetes Modell zu besitzen - oder Sie beherrschen die hohe Kunst der Schuhpflege.

Nun ist es kein Geheimnis, dass man selbst großen Einfluss auf die Lebensdauer seines Schuhwerks nehmen kann. Dass viele Loafer, Sneaker und Co. nach einer Weile trotzdem etwas mitgenommen aussehen, ist deshalb auch nicht mangelnder Hingabe ihrer Besitzer geschuldet, sondern eher der verwirrenden Vielzahl verschiedener Mittel, die im Fachhandel angeboten werden.

Sich dort nicht direkt zurechtzufinden, ist ganz normal - Zeit also, einmal eine Bresche ins Pflege-Dickicht zu schlagen. Das fängt schon mit eben jenem Oberbegriff an. Pflege kann als Zusammenfassung der gesamten Schuhbehandlung verstanden werden, ist aber genaugenommen schon ein "fortgeschrittener" Bereich, der erst dann beginnt, wenn das Modell ordentlich geschützt und gereinigt wurde.

Also schön der Reihe nach...


Die drei Schritte im Detail

1. Schutz Hier kommt in der Regel das wohl bekannteste Produkt aus dem Schuhpflege-Kosmos zum Einsatz: das Imprägnierspray. Ziel ist es, das Material gegen das Eindringen von Feuchtigkeit abzudichten und Schmutz keine Angriffsfläche zu bieten, an der er sich festsetzen könnte. Gute Sprays leisten aber weit mehr als das: sie wirken nur in eine Richtung, erhalten also die Atmungsaktivität. Zudem bieten sie einen UV-Schutz, der die Farbintensität erhält und einem Ausbleichen vorbeugt. Achtung: das Imprägnieren steht ganz am Anfang eines Schuhlebens, und auch später erfolgt der Auftrag des schützenden Sprays entgegen der vorherrschenden Meinung stets vor der Pflege.
2. ReinigungDass Schuhe auch bei der besten Imprägnierung irgendwann schmutzig werden, ist kein Drama - solange man weiß, wie man Verunreinigungen wieder entfernt. Man unterscheidet zwischen Trocken- und Nassreinigung. Erstere funktioniert rein mechanisch mit Bürste oder Tuch. Sie ist besonders schonend und für darum besonders für empfindliche Obermaterialien geeignet. Die Nassreinigung hingegen bringt eine chemische Komponente mit ein und dringt in tiefere Gewebeschichten vor.
3. PflegeInsbesondere Leder tendiert dazu, mit der Zeit auszutrocknen und dann steif oder gar rissig zu werden. Als Naturmaterial bedarf es diverser Nährstoffe, die es mit Feuchtigkeit versorgen und dauerhaft elastisch halten - Wirkstoffe wie etwa Aloe Vera, pflanzlichen Ölen oder Wachs. Eine weitere Herausforderung ist das allmähliche Verblassen der Farben durch Sonnenlicht. Durch Schuhcremes lässt sich die ursprüngliche Farbintensität wiederherstellen - doch Achtung: gerade farbige Cremes sollten vor dem großflächigen Auftragen an einer verdeckten Stelle getestet werden.

Borsten bürsten am besten

Mit den passenden Sprays, Flüssigkeiten und Cremes hat man zwar schon die halbe Miete. Ohne das passende Werkzeug lässt sich aber weder eine tiefgehende Reinigung vornehmen, noch nachhaltig Pflegemittel auftragen.

Die wohl wichtigsten Hilfsmittel für Schuhe aus Glattleder sind Bürsten. Eine für alle Arbeitsschritte zu verwenden, ist dabei allerdings keine gute Idee. Am besten greift man auf drei verschiedene Bürsten zurück, die der Reihe nach weicher werden - eine grobe für die anfängliche Entfernung von Schmutz, eine mittelharte zum Auftragen des Pflegemittels und eine weiche, feine für die abschließende Politur. Der Goldstandard sind übrigens Bürsten auf natürlicher Grundlage wie etwa Schweineborsten oder Rosshaar.

Andere Materialien als Glattleder bedürfen einer speziellen Behandlung: Veloursleder freut sich über eine Crepe-Gummibürste mit Lamellen, welche den samtigen Faserflor wieder aufrichten. Lackleder hingegen mag gar keine Bürsten, da diese die spiegelnde Oberfläche zerkratzen könnten - hier ist ein Microfasertuch die bessere Wahl. Sneaker aus synthetischen Materialien verzeihen deutlich mehr und können auch mit einem feuchten Schwamm behandelt werden.

Immer unter Spannung

Insbesondere Lederschuhe sollten nach jedem Tragen mit Schuhspannern bzw. Schaftformern versehen werden, da das Naturmaterial sonst Falten bildet und ausbeult.

Häufige Fragen zum Thema Schuhpflege

Wie häufig sollten Schuhe imprägniert werden?
Das kommt drauf an.

Auf jeden Fall direkt nach dem Kauf. Auch wenn Sie Ihre neuen Lieblingsstücke gern direkt tragen würden und es ja sowieso nicht regnen soll: das erste Imprägnieren ist elementar wichtig, um nicht nur vor Feuchtigkeit, sondern auch vor dem Eindringen von Schmutz in tiefere Faserschichten zu schützen. Achten Sie dabei bitte darauf, das Material nicht zu durchnässen - machen Sie im Zweifel lieber mehrere Sprühdurchgänge - und lassen Sie es vollständig trocknen (keinesfalls in direkter Sonne oder unter der Heizung). Je nachdem, wie oft Sie das Paar Schuhe tragen und welchem Wetter es dabei ausgesetzt ist, wiederholen Sie die Imprägnierung am besten alle zwei bis vier Wochen, bei ständig genutzten Alltagsschuhen eher jede Woche.

Pflege ich den kompletten Schuh auf die gleiche Weise?
Jein.

Wie viele Gebrauchsgegenstände müssen Ihre Schuhe an verschiedenen Stellen unterschiedlich hohe Belastungen verkraften. Insbesondere die Spitze wird stark beansprucht und kann schnell einmal Kratzer aufweisen. Aus diesem Grund dürfen es hier auch gern mehrere Lagen Schuhcreme sein, um dem Leder bei der Regeneration zu helfen. Ein weiterer Bereich, der sich über besondere Zuwendung freut, ist jener einen halben Finger breite zwischen Schaft und Rahmen: er ist Feuchtigkeit vom Boden her am stärksten ausgesetzt und auch am längsten nass - Ränder können entstehen.

Welche Schuhcreme ist die richtige für meine Schuhe?
Ein heikles Thema.

Während komplett schwarze Schuhe in dieser Hinsicht leicht zu händeln sind, wird es bei den dutzenden verschiedenen Brauntönen schon schwieriger. Sollten Sie zwischen zwei Cremes schwanken, wählen Sie lieber die dunklere. Garantiert auf der sicheren Seite sind Sie mit farbloser Schuhcreme. Besonders dann, wenn das zu pflegende Modell über Kontrastnähte verfügt - denn deren hübscher Effekt wird zerstört, wenn man mit dunkler Creme drüberstreicht.

Kann ich auch Haushaltsreiniger verwenden?
Auf keinen Fall!

Haushaltsreiniger sind in der Regel für harte, robuste Oberflächen gemacht und nicht für empfindliches Leder. Ihre aggressive Zusammensetzung kann dem Naturmaterial Fett entziehen, was es trocken und spröde macht, oder den Farben zusetzen. Verwenden Sie daher bitte nur ausgewiesene Schuhpflege-Produkte und keine vermeintlichen "Hausmittel".

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